Was kostet Social Recruiting für Handwerksbetriebe?
Social Recruiting kostet einen Handwerksbetrieb zwei Dinge: Werbebudget für die Anzeigen und Arbeit für Video, Text und Betreuung. Veröffentlichte Marktangaben reichen von rund 500 Euro Anzeigenbudget im Monat bis zu Agentur- und Plattformpreisen von rund 500 bis 2.000 Euro im Monat, dazu kommt bei Bedarf ein Video. Einen festen Marktpreis gibt es nicht, weil Gewerk, Region und Zahl der Stellen den Betrag stark verändern.
Viele Betriebe fragen zuerst nach einem Pauschalpreis. Die ehrliche Antwort lautet: Den gibt es nicht. Sie können die Kosten aber in einzelne Posten zerlegen und selbst nachrechnen. Genau das zeigt dieser Ratgeber. Die genannten Beträge sind Marktangaben Dritter und keine Preise von Lionfire.
Aus welchen Posten setzen sich die Kosten zusammen?
Fast jedes Angebot lässt sich auf vier Bestandteile herunterbrechen. Fragen Sie nach, wenn einer davon fehlt oder in einer Gesamtsumme verschwindet.
- Werbebudget: Dieses Geld geht direkt an Meta, also an Facebook und Instagram. Es läuft über Ihr Werbekonto und sollte im Angebot getrennt stehen.
- Erstellung: Fotos, Video und Anzeigentext. Das fällt einmalig an und wird nachgeschärft, wenn eine Anzeige nachlässt.
- Betreuung: Anzeigen einrichten, beobachten, Budget verschieben, Bewerbungen weiterleiten.
- Ihre eigene Zeit: Drehtermin, Freigaben und vor allem die Rückrufe bei Bewerbern. Dieser Posten taucht in keinem Angebot auf, entscheidet aber über den Erfolg.
Welche Preisspannen sind belegt?
Eine neutrale Preiserhebung speziell für das Handwerk haben wir nicht gefunden. Die folgenden Werte stammen deshalb überwiegend von Anbietern und Fachportalen. Sie taugen als Orientierung, nicht als Tarif.
| Posten | Belegte Angabe | Quelle |
|---|---|---|
| Gesponserte Beiträge in Eigenregie | 100 bis 300 Euro im Monat | Skill Sprinters, 2026 |
| Agentur oder Freelancer | 500 bis 2.000 Euro im Monat | Skill Sprinters, 2026 |
| Anzeigenbudget aus der Praxis | 500 Euro im Monat bei 50 km Umkreis, im Schnitt 33 Euro je Kontakt | OMR Reviews, 2024 |
| Plattform mit Monatspreis | ab 960 bis ab 1.800 Euro im Monat, je nach Stellenart | TalentBait bei OMR, 2024 |
| Recruiting-Video für eine Rolle | etwa 5.000 bis 10.000 Euro, wenn das Konzept vorher steht | Collective Brain, 2026 |
Die Spanne ist breit, weil die Leistungen verschieden sind. Ein Monatspreis kann das Werbebudget enthalten oder auch nicht. Vergleichen Sie deshalb nie zwei Summen, ohne zu wissen, was darin steckt.
Wie rechnen Sie Ihr eigenes Budget aus?
Sinnvoll ist der umgekehrte Weg: Sie beginnen nicht beim Betrag, sondern bei der Einstellung. Dieses Vorgehen empfiehlt auch ein aktueller Fachbeitrag zu Recruiting-Anzeigen.
- Ziel festlegen: Wie viele Personen wollen Sie in welchem Zeitraum einstellen?
- Eigene Erfahrung nutzen: Wie viele Gespräche brauchten Sie zuletzt für eine Einstellung? Daraus ergibt sich die Zahl der nötigen Bewerbungen.
- Testen: Messen Sie zwei bis vier Wochen lang, was eine Bewerbung in Ihrem Gewerk und Ihrem Umkreis tatsächlich kostet.
- Hochrechnen: Erst jetzt ergibt sich das Budget. Mit den Zahlen aus dem OMR-Beispiel wären das bei 500 Euro und 33 Euro je Kontakt rund 15 Kontakte im Monat.
- Prüfen: Reicht das für Ihr Ziel? Wenn nicht, ändern Sie zuerst das Angebot und erst dann den Betrag.
Derselbe Fachbeitrag nennt eine Faustregel, nach der das Wochenbudget je Anzeigengruppe etwa dem Fünfzigfachen der Zielkosten entsprechen sollte. Bei 10 Euro je Bewerbung wären das rund 500 Euro pro Woche. Für einen kleinen Betrieb mit einer offenen Stelle ist das viel. Die Regel zeigt aber, warum Sie ein kleines Budget lieber auf eine Anzeigengruppe bündeln sollten, statt es zu verteilen.
Ob sich Social Recruiting für Ihren Betrieb überhaupt lohnt, prüfen Sie vorab mit dem Recruiting-Check: acht kurze Fragen im Browser, ohne E-Mail.
Was kostet es, wenn die Stelle frei bleibt?
Eine Anzeige kostet sichtbar Geld, eine leere Stelle kostet es unsichtbar. Laut Bundesagentur für Arbeit waren offene Stellen in typischen Handwerksberufen im Jahresdurchschnitt 2025 im Schnitt 242 Tage unbesetzt, über alle Berufe waren es 167 Tage. Für 2024 hatte sie im Handwerk 224 Tage genannt, 2015 waren es 104 Tage. Der ZDH schätzt laut Nordkurier, dass dem Handwerk rund 200.000 Mitarbeiter fehlen, weil viele Betriebe freie Stellen gar nicht melden.
Das Jobportal StepStone beziffert die Kosten einer unbesetzten Stelle in der Bauwirtschaft laut Handwerksblatt auf etwa 79.000 Euro im Jahr. Das ist eine Schätzung eines Portals und kein geprüfter Wert. Rechnen Sie lieber selbst: Welche Aufträge haben Sie im letzten Jahr abgelehnt, weil Leute fehlten?
Wo geht Geld verloren, ohne dass es jemand merkt?
- Falsche Anzeigenkategorie: Stellenanzeigen müssen bei Meta als Kategorie „Beschäftigung“ gekennzeichnet sein. Sonst drohen Ablehnungen und verlorene Tage.
- Zersplittertes Budget: Viele kleine Anzeigengruppen lernen schlechter als wenige große.
- Text aus der Stellenbörse: Eine Aufzählung von Aufgaben wirkt im Feed wie ein Fremdkörper. Besser passt unser Ratgeber zur Stellenanzeige im Handwerk.
- Langsame Rückmeldung: SEOcruiting nennt eine Antwort innerhalb von 24 Stunden als entscheidend. Jeder Tag danach entwertet das bezahlte Budget.
Was haben Betriebe in der Region erreicht?
Zwei Beispiele aus unserer Arbeit: Die Josef Füssenich GmbH & Co KG, ein Malerbetrieb aus Bonn, erhielt 172 Bewerbungen in 4 Monaten, rund 8 Euro pro Bewerbung. Die Hans Bungard GmbH erhielt 90 Bewerbungen in 45 Tagen. Das sind Einzelfälle und keine Zusage. Gewerk, Ort, Lohn und Team beeinflussen das Ergebnis. Die 8 Euro lassen sich auch nicht direkt mit den 33 Euro aus dem OMR-Beispiel vergleichen, weil dort nicht festgelegt ist, was als Kontakt zählt. Weitere Beispiele finden Sie bei den Referenzen.
Was sollten Sie vor dem Auftrag klären?
- Steht das Werbebudget getrennt vom Honorar im Angebot?
- Läuft die Werbung über Ihr eigenes Konto, und bleibt es Ihres?
- Wie lange ist die Mindestlaufzeit, und wie kündigen Sie?
- Wer dreht das Video, und dürfen Sie es später selbst weiter nutzen?
- Wie schnell landet eine Bewerbung bei Ihnen, und wer ruft zurück?
- Welche Zahl wird Ihnen jeden Monat gezeigt? Sie sollte Kosten je Bewerbung heißen, nicht Reichweite.
Häufige Fragen
Reicht ein kleines Budget für Social Recruiting?
Für einen ersten Test ja, wenn Sie es auf eine Stelle und einen Umkreis bündeln. Das OMR-Praxisbeispiel arbeitet mit 500 Euro im Monat. Ob das in Ihrem Gewerk reicht, zeigt erst die Messung nach zwei bis vier Wochen.
Ist das Werbebudget im Agenturpreis enthalten?
Das ist je nach Anbieter verschieden. Lassen Sie sich Honorar und Werbebudget getrennt ausweisen, damit Sie Angebote vergleichen können und sehen, was tatsächlich bei Meta ankommt.
Brauche ich für Social Recruiting ein teures Video?
Nein. Ein Video hilft, muss aber nicht aufwendig sein. Entscheidend sind echte Kollegen und klare Angaben zur Stelle. Was hineingehört, steht im Ratgeber zum Recruiting-Video.
Wie schnell sehe ich, ob es sich lohnt?
Nach zwei bis vier Wochen kennen Sie Ihre Kosten je Bewerbung. Ob die Bewerbungen passen, zeigt sich erst in den Gesprächen. Zählen Sie deshalb auch, wie viele Bewerber Sie tatsächlich erreichen und einladen.
Quellen
- Skill Sprinters, Employer Branding auf Social Media für KMU, 12.04.2026: skill-sprinters.de
- OMR Reviews, Facebook Recruiting, 28.08.2024: omr.com
- OMR Reviews, Preisseite TalentBait, Stand Mai 2024: omr.com
- Collective Brain, Recruiting-Videos im Mittelstand, aktualisiert 02.09.2026: collectivebrain.de
- SEOcruiting Magazin, Recruiting Ads auf Facebook und Instagram, 24.08.2026: seocruiting.com
- Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Nr. 34 zum Handwerk, 14.09.2026: arbeitsagentur.de
- Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Nr. 37 zum Tag des Handwerks, 10.09.2025: arbeitsagentur.de
- Handwerksblatt, Hohe Kosten durch lange Vakanzen, 01.09.2026: handwerksblatt.de
- Nordkurier, ZDH-Schätzung zu fehlenden Mitarbeitern, 04.03.2026: nordkurier.de